Senioren- und Veteranen-Reise vom 18.-20.10.2002
oder: gut Essen ist nicht Glückssache
Der Prospekt war vielversprechend:
Bald
ist es wieder soweit! Wenn im Herbst die Blätter fallen, dann geht der FCK auf
„grosse Reise...!“ Nach der letztjährigen, virtuellen Reise wurde von der
Mehrzahl wieder einmal „bella Italia“ als
Reiseziel gewünscht. Wir haben uns, entsprechend unserer Tradition und Ansprüchen,
etwas ganz besonderes Einfallen lassen! Die bevorstehende Reise wird vor allem
eine Gaumenreise werden und keine kulinarischen Wünsche offen lassen...
Die
Reise führt uns in den „Bauch
Italiens“ – in die Emilia-Romagna! Kenner behaupten, dass diese Küche
die kompletteste Italiens sei... Bei
dem Wort „Parma“ läuft jedem Feinschmecker das Wasser im Munde zusammen,
denn vor seinem geistigen Auge ziehen ganze Reihen von Wurstsorten vorbei: der köstliche
rohe Schinken oder die berühmte Schinkenwurst von Zibello, die spalla cotta di
S. Secondo (gekochtes Schulterstück) und die leckere Felino-Salami. Natürlich
ist hier auch der berühmte Parmesankäse, der Parmigiano-Reggiano, der nur aus
bester Milch nach tausendjähriger Tradition hergestellt wird und zu den
wichtigsten Zutaten der Küche Parmas zählt, zu erwähnen.
Auch Modena – berühmt durch den „Aceto Balsamico
di Modena“ – steht dem in keiner Weise nach und bietet auch kulturell
einiges! So nebenbei sei auch noch erwähnt, dass in Modena, respektive
Maranello die „Scuderia inbattibile“ von Ferrari zu Hause ist! Keine Angst:
vor lauter „Fressen“ kommt auch der Fussball nicht zu kurz... Mit Maranello
Sportivo ist für Samstag im „Stadio
Dino Ferrari“ ein Freundschaftsspiel organisiert! Ob wir auch noch in den
Genuss des Besuches eines Serie A Spiels kommen, können wir leider zum
jetztigen Zeitpunkt noch nicht sagen, da wegen dem Ligastreik der
Meisterschaftsablauf noch nicht bestätigt ist.
|
Karte der Emilia-Romagna |
|
Pünktlich um 06.30 starteten die 32 FCKler und Freunde mit einem Car der Gast-Reisen Utzenstorf auf die grosse Reise. Für einmal hatte es bereits bei der Abfahrt geregnet. Doch schon im Tessin und auch beim ersten Halt in Italien zeigte sich das Wetter von der schönen und warmen Seite. Es sollte so bleiben. |
|
Via Luzern - Gotthard - Chiasso - Milano gelangten wir nach San Martino Siccomario bei Pavia. Um die Mittagszeit trafen wir im Ristorante Giannino ein und waren gespannt, was uns hier erwarten werde. Die Reiseleitung hatte nicht zuviel versprochen: |
|
Die Stimmung und das Essen waren ausgezeichnet. Bereits durften wir zur Vorspeise von den feinen Trockenfleischspezialitäten der Emilia-Romagna degustieren. Eine Überraschung war der Wein. Mit den Vini O.P. (oltrepo pavese) hatten nur Insider gerechnet. Diese Weine sind mosso und süsslich, d.h. der Weisswein ist ein Frizzante und der Rotwein entspricht dem bei uns bekannten Lambrusco. Dies sollten unsere ständigen Begleiter bei den bescheidenen Mahlen werden. Auf alle Fälle stiegen Lärmpegel und Stimmung. Nachher meinte eine Dame, welche an einem Nebentisch gegessen hatte, gemäss unserem Dialekt müssten wir "bergamaschi" (Italiener aus dem Raum Bergamo) sein ! Wirken wir nach unseren verschieden Reisen in den Süden schon so italienisch ? |
|
Mehrere Gänge und 2-3 Stunden später sowie Italien um ein paar Flaschen Grappa ärmer, fuhren wir mit dem Bus nach Pavia zum 1-stündigen Verdauungsspaziergang in der verkehrsfreien Innenstadt.
|
|
|
|
Die Uni von Pavia. |
|
Anschliessend fuhren wir weiter nach Parma und bezogen im ****-Hotel Stendhal unsere Zimmer. Nach einem weiteren kurzen Verdauungsspaziergang oder Apero hiess es bereits wieder "zu Tisch". Einigen bereitete es etliche Mühe, schon wieder einen 4-Gänger zu vernichten. Auch die Vini O.P. wurden bereits durch einen Vino fermo, in diesem Fall Barbera, ersetzt.
Ein Spaziergang in die sehr schöne Altstadt mit "Averna" oder Bier auf der Piazza Garibaldi war nach dem Essen bitter nötig. Viele staunten nicht schlecht ob der Flaniermeile von Parma. Einer meinte, er hätte hunderte von jungen, wunderschön rausgeputzten und sehr schönen Leuten (vor allem weibliche) gesehen. Sein Kommentar: "dasch jo wahnsinnig!". Der hat wohl noch nie am Sonntag nachmittag RAI Uno geguckt. Das ist eben auch "bella Italia".
Einige Impressionen aus Parma: |
|
|
|
|
Nach einer kurzen Nacht und Frühstück im Hotel ging es um 08.30 Uhr weiter in die Campagna, genauer in die Ortschaft Collecchio, in deren Nachbarschaft sich die berühmte Firma Parmalat und das Trainingsgelände der AC Parma befinden. Wir waren gespannt, wie Käserei und Wursterei in Mittelitalien wohl aussehen werden. |
|
Mirco, Inhaber der Firma ParmaGolosa, hat uns dann auf sehr interessante und kurzweilige Weise Produktion von Käse und Schinken näher gebracht. Die Käserei war mit einer unserer Dorfkäsereien vergleichbar, wo zwei Leute sieben mal in der Woche Käse machen. Parmigiano Reggiano wird aus unbehandelter Rohmilch von Kühen aus der Region hergestellt. Die Milch für einen Käse stammt immer aus dem gleichen Stall. Mehr über Parmigiano-Reggiano unter dieser Adresse: www.parmigiano.it |
|
Käserei mit angrenzendem Schweinestall |
Zwei Käser verarbeiten täglich Rohmilch zu Parmigiano Reggiano |
In diesem Lagerhaus lagern 30'000 Laibe Reggiano während ca. 20 Monaten. |
|
Der Parma-Schinken stammt nur von Schweinen aus der Region Parma. Diese fressen ausschliesslich die anfallende Molke aus der Parmigiano-Produktion sowie Getreide. Deshalb trifft man bei einer Käserei häufig auch auf einen Schweinestall. Neben den Schweinen ist vor allem das Klima und das Trocknungsverfahren (dauert 12 Monate) das Geheimnis dieser Spezialität. Parma-Schinken ist nach dem Verzehr in 1 1/2 Stunden verdaut und ist somit eines der leichtverdaulichsten Lebensmittel überhaupt. Mehr über Prosciutto di Parma unter dieser Adresse: www.prosciuttodiparma.com |
|
Nach der Ausführlichen Besichtigung von Käserei und Wursterei mit Einkaufsmöglichkeiten (viele Kilo Käse und Fleisch wurden als kulinarisches Souvenir nach Hause mit genommen), war wieder einmal eine Degustation angesagt. In der Osteria di Talignano genossen wir das Resultat des am Vormittag Gesehenen. Ein ausnahmsweise leichtes Mittagessen aus Trockenfleisch und Käse, da wir ja am Nachmittag noch einen Ernstkampf zu bestreiten hatten. |
Da gibt es zwischen zwei "Erfahrenen" einiges zum Fachsimpeln. |
|
Herzlichen Dank an Mirco und seine charmante Übersetzerin Laura von der Firma ParmaGolosa für die Einweihung in die Herstellungs-Geheimnisse zweier italienischer Spitzenprodukte. |
|
Die Weiterreise nach Modena verlief ruhig. Dort hatten wir eine Viertelstunde Zeit, im ***-Hotel Milano unsere Zimmer zu beziehen, die Fußballsachen zu packen und sofort nach Maranello zum gross angekündigten Fussballspiel zu fahren. Bei der Fahrt durch Maranello war nicht zu übersehen, wo zur Zeit die schnellsten roten Autos herkommen. Im "Stadio Dino Ferrari" hatten wir am späten Nachmittag unser heiss ersehntes Mätschli gegen die alten Herren von Maranello Sportivo: |
|
Der FCK spielte in folgender Formation: Aebi (Jäger), Kämpf, Moser I, Moser II, Friedli, Begert, Bütikofer (Aebi), Rauch, Küffer, Weiermann, Brosi |
|
Zum Mätschli selber gibt es nicht viel zu sagen, ausser dass uns der Gegner fast ebenbürtig war und wir trotz Super-Arbitro (die haben nicht nur Collina) 0 : 5 (Halbzeit 0 : 0) verloren. Ausschlaggebend waren die beiden Nummern 10. Totti (er sah ihm ähnlich, war wohl der grosse Bruder) schoss alle 5 Tore für die Gastgeber und unser Fantasista war sicher der beste Handbälleler aller Zeiten, aber fussballerisch ein Anti-Totti. |
|
Für einmal sind wir in der Abwehr Herr der Lage. |
Die besten Fussballkenner der Welt. |
Unfair: drei gegen einen. |
|
Nach einem Aperitivo an der Bar der Ferrari-Bocciahalle verspürten wir langsam Hunger und es wurde Zeit für die ländliche Trattoria. Diese war diesmal wirklich auf dem Land, genauer auf einem Hügel über Maranello: Das Ristorante Gatto Verde bescherte uns nicht nur ein ausserordentlich reichhaltiges Abendessen, sondern im grossen Esssaal genossen wir dazu Live das Spitzenspiel Inter gegen Juve auf Grossleinwand. Das ist "Bella Italia". Auffallend war: Während bei den Herren Inter- und Juve-Fans ziemlich ausgeglichen waren, jubelten die Damen nur, wenn Alessandro Del Piero am Ball war. |
Fussballherz was willst du mehr: gut Essen zur Live-Übertragung |
|
Müde kehrten wir gegen Mitternacht ins Hotel zurück. Aber halt: wir hatten ja noch nichts gesehen von Modena. Also machten sich ein paar Unentwegte auf die Socken und stürzten sich in das Nachtleben der Altstadt. Immerhin hatte noch eine "coole" Jazz-Bar offen, in der es Gin-Acqua gab. Dank Braunis Insiderwissen kamen wir dann doch noch zu einem Gin-Tonic. Der eine oder andere hat wohl auch noch etwas vor der ausserordentlichen Altstadt gesehen. Für den Rest werden diese Eindrücke hier nachgereicht: |
|
|
|
|
Nach einer noch kürzeren Nacht und Frühstück verarbschiedeten wir uns von Modena und fuhren wieder nach Maranello: zum Besuch der Galleria Ferrari. |
|
Da passe ich nicht rein ! |
Ob der auch eine Bremse oder nur ein Gaspedal hat ? |
Den habe ich heute gekauft ! |
|
Bütschi im Rennsimulator: Er fuhr die Strecke von Monte Carlo. Einige Zuschauer mit grossen Fachkenntnissen meinten "däm hock' i nie is Outo !". |
|
Schöne Autos hin oder her: Des Schreibers Puls schlug beim Abendspaziergang auf der Flaniermeile Parmas höher aus als in der Galleria Ferrari. |
|
Es war bereits Sonntagmittag und wir hatten noch ein Ziel vor Augen: Das letzte Mittagessen. Also fuhren wir von Maranello Richtung Milano um wieder in der Gegend von Pavia einen letzten Mittagshalt zu machen: Ristorante la Ranera in S. Angelo Lodigiano. Es sollte ein letzter kulinarischer Höhepunkt werden. |
|
Das Ristorante |
Das bescheidene Menu |
Grappe |
Unsere Reiseleitung mit der charmanten Gastgeberin. |
|
Zufrieden machten wir uns auf den Heimweg und trafen nach einigen Runden Bierlein müde gegen Mitternacht beim Bären Alchenflüh ein. Fast hätte ich etwas vergessen: die 4 eisernen Jasser, welche Ihre Plätze im Car nie wechselten und mit stoischer Ruhe stundenlang am "Butzere" waren. Da war bei der anderen Jassrunde eindeutig mehr los: Weiermann Tinu hat verschiedene Greenhörner in die Künste des "Coiffeurs" eingeweiht.
|
|
|
|
|
Einen herzlichen Dank gebührt unseren Organisatoren Biagio und Dino. Ihr habt nicht zuviel versprochen. Die Reise (dieses Mal auch das Wetter) war ausgezeichnet organisiert und die neu erworbenen Kenntnisse über die Spezialitäten der Emilia-Romagna werden lange in Erinnerung bleiben. Es war grossartig, was ihr auf die Beine gestellt habt.
grazie Biagio, grazie Dino, grazie bella Italia !
Noch zu erwähnen sind die Spender der Runden: Danke an Markus Gast von der Firma CT-Chemie Burgdorf (ihn können wir auch als neues Passiv-Mitglied begrüssen) und Tinu Weiermann. Danke auch an die Firma Gast Reisen Utzenstorf für die tadellose Fahrt. Und nicht zuletzt danke an die flotte und disziplinierte Reisegesellschaft. Es war lustig, laut aber nie überbordend.
Schade war, dass wir nicht mehr Zeit hatten für die beiden wunderschönen Städte Parma und Modena. Die sind wirklich sehenswert. Ich werde dies wohl in den nächsten Jahren einmal nachholen müssen.
Ich freue mich bereits auf nächstes Jahr. Christian Moser |
|
Hier noch einige Adressen, falls jemand irgendjemanden noch einmal besuchen möchte:
|
|
|
|
|
|